Viel Protein drin, kein Protein-Claim drauf
Fertiggerichte mit Hülsenfrüchten liefern oft viel Protein und Ballaststoffe, nur die wenigsten Hersteller werben aber damit. Das zeigt eine Studie der deutschen Verbraucherzentralen.
Drei von vier untersuchten Fertig-Eintöpfen waren proteinreich.
Quelle: Symbolbild Micheile Henderson/Unsplash
Bohnen, Erbsen, Linsen, Kichererbsen & Co: Die deutschen Verbraucherzentralen haben diesen Frühling 288 Fertiggerichte mit Hülsenfrüchten untersucht. Positiv fiel dabei der Proteingehalt auf. Bei 91 Prozent der untersuchten Produkte wäre eine Proteinwerbung nach der Health-Claims-Verordnung möglich gewesen. 117 Produkte hätten als «Proteinquelle» ausgelobt werden dürfen, 146 Produkte als «proteinreich». Auffällig: Nur bei 44 Fertiggerichten nutzten Hersteller die Möglichkeit zur Proteinauslobung - obwohl sich proteinreiche Produkte gut verkaufen.
«Viele Lebensmittel mit Hülsenfrüchten sind von Natur aus gute Proteinquellen, ohne dass dies auf der Verpackung besonders hervorgehoben wird. Bei speziellen Proteinprodukten dagegen machen Hersteller den Eiweißgehalt zum zentralen Verkaufsargument, obwohl dieser häufig erst durch zugesetzte, hoch verarbeitete Zutaten entsteht. Protein ist offenbar nicht nur Nährstoff, sondern vor allem Marketing», sagt Elisabeth van Thiel, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.
Punkto Protein überzeugten besonders die Eintöpfe: Drei von vier waren «proteinreich», die veganen Varianten lagen auf ähnlichem Niveau wie die fleischhaltigen. Bei den Fertigmahlzeiten und Suppen waren der Proteingehalt bei den Varianten mit Fleisch im Durchschnitt deutlich höher als bei den veganen oder vegetarischen Varianten. Die Proteine stammen je nach Rezeptur nicht nur aus Hülsenfrüchten, sondern auch aus Fleisch, Weizen, Milch oder Kartoffeln.
Bei den Ballaststoffen hatten die veganen und vegetarischen Gerichte die besseren Werte. 210 der 288 erfassten Produkte gaben den Ballaststoffgehalt an, diese Angabe ist freiwillig. Davon erfüllten 103 die Anforderungen für eine «Ballaststoffquelle» weitere 22 sogar für «ballaststoffreich». Auch bei den Ballaststoffen nutzten nur wenige Unternehmen die Möglichkeit, diese auszuloben.
Kritisch sehen die Verbraucherzentralen den Salzgehalt in den Fertiggerichten mit Hülsenfrüchten: Im Durchschnitt waren es 0,9 Gramm pro 100 Gramm,bei Eintöpfen sogar 0,95 Gramm Salz pro 100 Gramm. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt maximal 6 Gramm Salz pro Tag. Eine Portion von 400 Gramm Eintopf schöpfe davon schon fast zwei Drittel aus, so die Verbraucherzentralen.