Agroscope muss sparen
Agroscope streicht 58 Vollzeitstellen und stellt mehrere Forschungsprogramme ein. In Wädenswil und im Wallis wird Kritik laut.
Insgesamt 58 Vollzeitstellen muss Agroscope abbauen.
Quelle: Agroscope
Aufgrund der von Parlament und Bundesrat beschlossenen Sparmassnahmen müsse Agroscope im Jahresbudget bis 2029 rund 10 Millionen Franken sparen, meldete die Forschungsanstalt Mitte Juni. Eine thematische Fokussierung der Forschung und ein Abbau von 58 Vollzeitstellen sei unumgänglich, 43 Mitarbeitende sind von einer Kündigung betroffen. Konkret sollen die Forschung zur Primärproduktion und zu den Umweltwirkungen der Landwirtschaft, gesetzliche Vollzugsaufgaben und Politikberatung künftig verstärkt im Fokus stehen. Auch die Sicherung der genetischen Ressourcen bei Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen bleibe wichtig.
Ganz aufgegeben wird hingegen die Forschung in den Bereichen gesunde Ernährung und neue Lebensmittelprodukte (22 Vollzeitstellen), alternative Nischenkulturen (2 VZE), Gewürz- und Medizinalpflanzen (2 VZE) sowie Vertical Farming (1,5 VZE). Beim grossen Themenbereich Milch, Milchprodukte und Käse wird die Forschung, ebenfalls reduziert, aber nur marginal um eine Vollzeitstelle, erklärte eine Agroscope-Sprecherin gegenüber foodaktuell. Es handle sich um eine punktuelle Reduktion der Forschung im Bereich Schutzkulturen für die Käsereifung, in der Entwicklung und Anwendung von Starterkulturen sowie in der Rohmilchverarbeitung.
Rasch und deutlich reagierte das Forschungsnetzwerk für gesunde Ernährung SRN-HN. Der Entscheid von Agroscope sei ein «erheblicher Rückschlag für die Schweizer Ernährungs- und Lebensmittelforschung.» Die betroffenen Bereiche seien zentral für die Verbindung von Resilienz, Nachhaltigkeit und Gesundheit. «Angesichts von Klimaanpassung, steigenden ernährungsbedingten Gesundheitskosten, Biodiversitätsverlust und strukturellem Wandel entstehen durch solche Kürzungen potenziell blinde Flecken im System.» Es drohe auch eine Schwächung des interdisziplinären Denkens.
Auch in den Regionen wird Kritik laut. Am Standort Wädenswil werden 3,3 Vollzeitstellen abgebaut, fünf Mitarbeitende sind betroffen, die sich unter anderem mit Weinbau befassen. Das Weinbauzentrum Wädenswil, ein von der Deutschschweizer Weinwirtschaft und von Kantonen getragenes Forschungs- und Produktionszentrum, schreibt in einer Mitteilung, der von Agroscope angekündigte Abbau stelle die reb- und weinbauliche Forschung in der Deutschschweiz grundsätzlich in Frage. Man sei gezwungen, die strategische Ausrichtung zu überprüfen und zu klären, welche Leistungen für Agroscope unter den neuen Bedingungen noch tragbar seien.
Im Walliser Standort Conthey werden vier Vollzeitstellen gestrichen, betroffen ist unter anderem die Heilmittel- und Aromapflanzenforschung. Der Landwirtschaftsamtsleiter Gérald Dayer bezeichnete den Abbau als «absolut inakzeptabel», er gefährde die mühsam aufgebaute Wertschöpfungskette im Berggebiet. Landwirtschaftsdirektor Christophe Darbellay hielt den Abbau im «Walliser Boten» für «völlig falsch, gute Forschung ist matchentscheidend für die Zukunft.»