Coop: Bio wächst weiter, Fleisch bleibt wichtig
Im Gespräch mit der deutschen Lebensmittelzeitung machte Coop-Nachhaltigkeitschef Marc Muntwyler interessante Aussagen zum Biosortiment, zur Emissionsverminderung und zur Förderung des pflanzlichen Sortiments.
Coop führe bei den nachhaltigen Sortimenten und Bio das Wachstum aus dem Vorjahr fort, erklärte Marc Muntwyler, Leiter Nachhaltigkeit bei Coop im Interview mit der deutschen «Lebensmittelzeitung». «Bei Bio fällt es bisher sogar etwas stärker aus.» Der Irankrieg wirke sich bisher nicht auf die Konsumstimmung aus.
Coop integriere die Bioprodukte immer in die Normalsortimente, so könne man mehr Konsumenten ansprechen und es werde deutlich, «dass die Produkte oft gar nicht so viel teurer sind». Es gebe allerdings Bereiche, in denen die Preisdifferenzen grösser seien, etwa bei Früchten und Gemüse, «weil bei Bioprodukten alle Schritte auf dem Weg in den Laden fair abgegolten werden». Aber auch bei Früchten und Gemüse liessen sich die Konsumenten von den höheren Preise nicht abschrecken.
Coop beschäftige sich intensiv mit der Frage, was der Klimawandel für die Ressourcenverfügbarkeit bedeute, und lanciere dazu Projekte. Man suche auch nach neuen Herkunftsländern. Im Bereich Beeren etwas fokussiere man sich vermehrt auf Albanien, um die Abhängigkeit von Spanien zu reduzieren. Dort gebe es Herausforderungen mit dem hohen Wasserverbrauch. Dabei setze man die Einhaltung strenger Standards voraus. Mit der eigenen Beschaffungsorganisation Alifresca würden so neuen Bezugsquellen aufgebaut.
Um bis 2050 klimaneutral zu werden, müsse Coop Emissionen senken, das sei bei dem Scope-1-Emissionen, die man selber ausstosse, und bei den Scope-2-Emissionen, die aus eingekaufter Energie stammen, machbar, fährt Muntwyler fort. Scope 3 sei eine Herausforderung. Deshalb sei Coop Mitgründerin des «Klimabündnis Lebensmittel», mit dem man die Schweizer Landwirtschaft klimaverträglicher machen wolle. Dafür sei man daran, ein Modell zu entwickeln. Die grösste Herausforderung sei, verlässliche Daten zu Scope 3 zu erhalten, «Wir arbeiten mit internationalen Datenbanken, die jedoch nicht dem entsprechen, was durch unsere Produkte tatsächlich emittiert wird.» Ein Ziel des Klimabündnisses sei es, bessere Daten zu den Emissionen der Schweizer Landwirtschaft zu erhalten. Bei der Milch etwa sei dank dem hohen Grasanteil in der Fütterung der Kraftfutteranteil deutlich geringer als in Europa.
Zum Thema Fleischersatz sagt Muntwyler, das Ziel von Coop, das pflanzliche Angebot zu steigern, müsse «mit der Nachfrage zusammengehen». Ein sehr grosser Anteil der Kunden esse immer noch Fleisch und der Anteil der reinen Veganer liege bei weit unter einem Prozent.
«Wenn wir unseren Kunden die Auswahl nehmen, dann gehen sie», sagt Muntwyler. Eine Zeit lang habe Coop nur noch Fair-Trade-Bananen verkauft. Da habe man eine Abwanderung festgestellt. Auch die Strategie, in kleineren Sortimenten ein Produkt nur in Bioqualität anzubieten, habe sich nicht bewährt.