Mehr Tempo unter dem neuem Chef
Ein Brand in der Käserei in Villars-sur-Glâne und weitere technische Probleme machten der Cremo im letzten Jahr zu schaffen. Der neue CEO Xavier Monange muss der Transformation der Cremo neuen Schub verleihen.
Xavier Monange, der neue CEO der Cremo.
Quelle: Cremo
Dass die Cremo grosse Probleme hat, weiss man schon länger. Die jüngsten Entwicklungen halfen nicht, das Krisen-Image zu verbessern: Anfang November 2025 erklärte CEO Ralph Perroud, es werde schwierig sein, die Jahresziele zu erreichen. Ende November entschied der Verwaltungsrat, Perroud zu feuern und Xavier Monange, seit September 2024 in der Cremo-Geschäftsleitung, als neuen CEO zu installieren. Mitte Februar gab es die Forderung aus dem Freiburger Parlament, die Risiken der Cremo zu bewerten, gleichzeitig kündigte Verwaltungsratspräsident Georges Godel eine Verkleinerung der Geschäftsleitung und einen Einstellungsstopp an. Mitte März gaben dann gleich fünf von neun Verwaltungsräten ihren Rücktritt bekannt.
Eine ungemütliche Ausgangslage für den neuen CEO Xavier Monange. Doch der scheint sich davon nicht beirren zu lassen. Bei der Vorstellung der Jahreszahlen 2025 an einer Medienkonferenz vom 21. Mai am Hauptsitz in Villars-sur-Glâne sagte er:«Wir haben eine klare Roadmap, wir sind im Kampfmodus. Wir haben das Budget für die ersten drei Monate 2026 erreicht.» Das sei im Vorjahr nicht der Fall gewesen - und das sei auch der Grund, weshalb sein Vorgänger Perrous im Herbst habe gehen müssen.
Das Erschreckende an den Zahlen 2025 sei nicht der erneute Verlust, man werde auch 2026 noch einen Verlust schreiben, sagte Monange weiter, sondern die negative operative Marge. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) betrug -2,183 Millionen Franken, im Vorjahr lag er bei 2,632 Mio. Franken. Als Anteil am Umsatz sind es statt 0,5 Prozent nun -0,5 Prozent.
Hauptgrund dafür ist, dass die Betriebskosten im 2025 nicht gesunken, sondern um 1 Prozent gestiegen sind. Kosten entstanden durch den Käsereibrand am Cremo-Hauptsitz im März 2025 und durch weitere technische Probleme. Auch der Personalbestand nahm «unkontrolliert zu», wie es Monange ausdrückte, um 31 Personen auf 718. Im laufenden Jahr soll deshalb Personal abgebaut werden, vor allem durch natürliche Fluktuation.
Die Bruttomarge konnte zwar leicht gesteigert werden, aber nicht genug, um die gestiegenen Betriebskosten zu kompensieren. Durch die Neuverhandlung von Einkaufsverträgen und die Reduktion der Lieferantenzahl von 1500 auf 700 habe man mehr Geld reingeholt, sagte Monange. Ferner habe man sich auf Produkte konzentriert, «bei denen wir weniger oder gar kein Geld verlieren (sic)». Die Affinage von Emmentaler AOP wurde ebenso aufgegeben wie die Produktion von Pastmilch und anderen Trinkmilchvarianten.
Prägend für das Jahr 2025 war auch der Milchüberschuss ab Herbst 2025. Cremo verarbeitete im letzten Jahr 333 Mio. Kilogramm Milch, 10 Prozent mehr als budgetiert und gut 2 Prozent mehr als im Vorjahr. Man habe die Anlagen bis an ihre absoluten Grenzen ausgelastet, sagte Manonge. Bis heute habe Cremo rund 40 Millionen Kilogramm überschüssige Milch verarbeitet. Cremo leiste hier im Dienst der ganzen Milchwirtschaft eine Art service publique. «Ohne Unternehmen wie Cremo, die in Zeiten von Überproduktion eingreifen, würde das ganze System kollabieren.»
Man habe zeitweise im letzten Jahr Probleme mit der Liquidität gehabt, sagte Godel. Die Direktion monitore die Situation nun aber sehr eng und habe das im Griff, auch mit den Banken sei man im steten Kontakt.
Monange sparte nicht mit deutlichen Worten. «Die Cremo wurde lange geführt wie eine Dorfmolkerei.» Ihr heutiger Zustand sei «das Resultat jahrzehntelanger Unterinvestitionen, mangelnder Wartung und mangelnder Ausbildung.» Das könne man nicht vom einen Tag auf den anderen beheben. In den letzten zwei Jahren habe es zwar Verbesserungen gegeben dank Standortschliessungen und Fokussierung auf Kernkompetenzen, nun müsse das Tempo aber angezogen werden.
Monanges Plan heisst «Back to Basics» (Nestlé lässt grüssen). Will heissen: Um die Sicherheit der Mitarbeitenden und der Produkte zu gewährleisten, brauche es eine industrielle Kultur auf modernem Standard. Disziplin, Strenge und Professionalität müssten hochgehalten werden, die Führungskräfte seien hier Vorbild. Auch die Kundenzufriedenheit müsse noch mehr im Zentrum stehen. Schliesslich müsse gezielt investiert werden, um jahrzehntealte Anlagen zu ersetzen.
Monange will ferner mit seiner Geschäftsleitung bis Ende Jahr die Unternehmensstrategie überarbeiten. Wettbewerbsfähigkeit und Wachstumspotenzial sämtlicher Produktlinien sollen überprüft werden, die Investitionsmöglichkeiten und politischen Rahmenbedingungen ebenso.
Chancen sieht Monange bei der Marke Lattesso, wo Cremo nach eigenen Angaben den Umsatz um fünf Prozent steigern und Marktanteile gewinnen konnte. Mit den neuen Produkten Dirty Matchaund Matcha Latte habe Cremo gezeigt, dass man Kundentrends aufgreifen und umsetzen könne.
Ferner wird Cremo noch im Juni «Protein Up» lancieren, eine neues Proteingetränk. «Protein sind ein Markttrend und ein echtes Bedürfnis. Ein stärkerer Fokus auf Protein wird helfen, unsere Bruttomarge zu verbessern.»
Wann Cremo in die schwarzen Zahlen könnte, vermochte VR-Präsident Godel nicht zu sagen: Das hänge von der Strategie ab, für die man sich Ende Jahr entscheiden werde. Die Frage, ob weitere Standorte geschlossen werde könnte, wollte er nicht abschliessend verneinen. Es gebe «keine Tabus».