Maul- und Klauenseuche bedroht Feta-Produktion auf Lesbos
Auf der griechischen Insel Lesbos gefährdet ein Ausbruch der Maul- und Klauenseuche die Schafhaltung und damit auch die Feta-Produktion.
Die Feta-Produktion auf Lesbos ist eingebrochen.
Quelle: zVg amazon
Seit März wurden laut Behörden knapp 28 000 Tiere gekeult, rund 80 Seuchenfälle registriert und ein Exportstopp für Milch und Käse verhängt, wie die NZZ in einem Artikel schreibt. Lesbos zählt zu den wenigen Regionen Griechenlands, die den geschützten Käse «Feta» herstellen dürfen. Die Insel lebt stark von der Schafhaltung: Rund 84 000 Einwohner stehen etwa fünfmal so vielen Schafen gegenüber. Die gesamte Wertschöpfungskette – von Viehhaltern über Käsereien bis zu Transportfirmen – ist betroffen.
Viele Tiere dürfen die Höfe nicht mehr verlassen, um eine weitere Verbreitung des Virus zu verhindern. Dadurch fehlt Futter. Schäferin Nicky Parellis berichtet gegenüber der NZZ, dass ihre Herde statt früher 250 Litern nur noch rund 70 Liter Milch pro Tag liefert. Gleichzeitig können viele Käsereien wegen der Exportsperre keine Ware mehr absetzen. Die Milchpreise seien massiv eingebrochen. Besonders umstritten sei die Entsorgung der gekeulten Tiere. Bauern würden von hastig angelegten Massengräbern berichten, aus denen Verwesungsflüssigkeit austrete. Wegen des felsigen Vulkanbodens seien die vorgeschriebenen tiefen Gruben oft nicht möglich. Umwelt- und Gesundheitsbedenken nehmen zu.
Die griechische Regierung stellte ein Soforthilfeprogramm über 8 Millionen Euro für Käsereien bereit. Bauern erhalten zudem etwa 70 Euro pro gekeultem Schaf. Viele Betroffene halten die Entschädigungen jedoch für unzureichend. Forderungen nach Impfungen gegen die Seuche weist das Landwirtschaftsministerium bislang zurück. Griechenland befürchtet sonst den Verlust des EU-Status «seuchenfrei ohne Impfung», der für wichtige Exportmärkte wie die USA, Grossbritannien und Länder im Nahen Osten entscheidend ist. Statt Impfungen setzt die Regierung weiterhin auf Keulungen ganzer Herden.
Erste Käselieferungen konnten zuletzt unter strengen Auflagen wieder das Festland erreichen. Für viele Betriebe kommt dies jedoch zu spät.